#newpay oder warum die Gleichstellung der norwegischen Nationalmannschaften gar nicht so toll ist

Anfang Oktober – also mit Beginn der Blogparade von co:x zu #newpay – verbreitete sich die Meldung, dass das Norwegische Frauennationalteam den gleichen Lohn für Länderspieleinsätze erhält wie die Männermannschaft. Alle feiern dies als Schritt in die richtige Richtung. Gleicher Lohn für gleiche Leistung ist feierwürdig. Die Art jedoch, wie dies in Norwegen zustande kam, eher fragwürdig. Denn vom Verband wurde nicht mehr Geld investiert, nein, das Männerteam hat Gehaltseinbußen in Kauf genommen und dem Frauenteam zur Verfügung gestellt. Der Arbeitgeber hat also selber nichts für die Gleichstellung getan, sondern das Männerteam hat (ggf. auf Anweisung) verzichtet. Soll so Gleichberechtigung und #newpay aussehen? Damit Männer und Frauen den gleichen Lohn für die gleiche Arbeit erhalten, wird es den Männern weggenommen? Dann würden alle Befürchtungen der „Ihr-bösen-Feministinnen“ bestätigt werden. Letztendlich geht es aber bei New Work doch eher darum zu verstehen, dass die Größe des Kuchens nicht gleich bleibt, sondern durch die Einbindung aller der Kuchen weiter wächst und entsprechend mehr zu verteilen ist. Kommen wir zurück zum norwegischen Frauenteam. Warum zahlt der Verband nicht mehr Geld? Weil das Frauenteam nicht genug Werbeeinnahmen erzielt? Warum nimmt der Verband dann nicht den Ursprung des Problems in Angriff: Die Mannschaft in der Vermarktung nach vorne bringen! Ist es denn wirklich Gleichberechtigung, wenn das Frauenteam abhängig ist vom Männerteam? NEIN! Es geht darum, unabhängig und finanziell gleich gestellt zu sein. Genau das ist #newpay für mich. Was ich ebenfalls als Denkanstoß charmant finde: das „Gehalt“ der Fußballer_innen ist eine Entschädigungszahlung. Mein erster Gedanke war: stimmt, ich fühle mich manchmal auch mehr entschädigt für den normalen Arbeitsalltag als wirklich bezahlt für meine Leistung. Entschädigt für die Zeit, die ich nicht in der Sonne sitzen kann, entschädigt für die fehlenden Freiräume in meinen Entscheidungen, entschädigt für die politischen Geplänkel im Hinterzimmer. Allerdings steht das doch in einem krassen Gegensatz zur Gefühlswelt: für die Fußballerinnen gibt es nichts Größeres als Mitglied der Nationalmannschaft zu sein. Die Entlohnung dafür ist aber als Entschädigung angedacht. Dies spiegelt sich vermutlich insbesondere in der geringen Summe – verglichen mit den Gehältern im normalen Ligaalltag – wider. Und genauso geht es doch vielen Organisationsrebellen, New Workern, nebenberuflichen Kämpfern und Veränderern. Für uns ist es das Größte, die Zukunft der Arbeit neu zu denken und so viele wie möglich mitzunehmen in diese Zukunft. Sicherheit zu geben und Wege aufzuzeigen. Menschen zu befähigen, sich nicht vor der Zukunft zu verschließen. Das ist das Größte für uns! Und was bekommen wir dafür: selten eine Entschädigung, häufig ein Danke, manchmal ein müdes Lächeln. Genau das ist #newpay für mich nicht. Die Wertschätzung – insbesondere in monetärer Form, denn nur das Sicherheit auf der niedrigsten Ebene das Überleben– für die vielen Querdenker und Gestalter ist kaum vorhanden. Der Mehrwert des konstruktiven, kritischen Hinterfragens, was teilweise zur Vernichtung von Altem aber auch zur Schaffung etwas völlig Neuem führt, lässt sich schwer beziffern und ist ansatzweise immer erst nach der Veränderung messbar. Wie also den monetären Wert bestimmen? Ich hoffe, die Mitstreiter_innen der Blogparade #newpay finden darauf eine Antwort. Sonst bleibt uns nämlich nur: Entschädigung.